Ein Gespräch Mit Martin Heidegger

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Ist Kierkegaard vor deinem Feuer in der Nacht allein,
erschaudert, angesichts der Kohlen von Ausgestoßenen du hast einmal
von der Furcht erzählt, die wie er sagte unsere Zähne füllt und windende
Venen, wenn wir uns von anderen aus der Hand nehmcn lassen, für uns,
die schrecklichen Zügel einer Welt in der wir dem Sterben überlassen,
täglich die Freiheit und Notwendigkeit zur Wahl ertragen müssen:
das Äesthetische, für Dinge die ins Sein erhoben,
oder das Ethische, für das Seiende: diese Janus Münze.
Nur ein Schritt, kein Sprung, zum schlampigen Stolzieren.

Deine Frau, die ein--und ausgeht in deinem Arbeitszimmer, um Schriften zum
Neuen Deutschland aus den Regalen zu holen, hört zu. Ihr beiden gabt
eure Kinder dem Heiligen Vater und dem Führer,
im Jahr der Bücherfeuer, die rasten in dir,
gabst deine Studenten den Flammen preis
(damit nicht sie dich ihnen überstellten?) Hast du ihr gesagt, daß
Hannah deine Muse war, bevor oder nachdem du Juden gesäubert hast
aus dem Lehrkörper in Freiburg, für die SS?
Bringen kleine Lügen die neuen Wahrheiten zum singen?

Sie kommt zurück für weitere Schriften. Hannah sah sie dort,
nach dem Krieg, war sicher, daß du keine Geduld haben würdest,
das dunkle Schicksal dessen zu lesen, den du Mein Führer nanntest.

Wenn Hannah deine Reden für das Neue Reich gelesen hat
(ist solche Geduld möglich?), muß sie auch diese
beschönigt haben. Aber deine Bucher waren oft Sümpfe,
Martin, Hannahs mehr wie Bergflüsse
denen du gerne nahe warst, und aus klareren Ursprüngen--
Augustin, Jaspers, Buber; der Bibel näher als deinen.


Translated by Josef Pesch
from the English of Van K. Brock

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