Ein Gespräch Mit Martin Heidegger

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Nach einem Jahrzehnt, in dem deine Vorlesungen die
besten Europas anzogen--Sartre, Arendt (deine eigene Jüdin)
unter ihnen--gabst du deine Stimme dem Bodensatz
deines Tiegels in seinem entscheidenen Jahr,

pflegtest dann eine endlose Stille
nachdem du Schafe für Wölfe an geführt hattest. Schafe brauchen
glaubtest du, neue Verschläge für Schafe,
sonst blöken Schafe und werden gefressen--
Blöken stieg bereits in deine Bergluft auf.

Doch muß es dir gut gegangen sein als du sagtest
Dichter benennen Götter und alle Dinge so wie sie sind,
und versehen nicht einfach Bekanntes mit Namensschildern--
eine Unterhaltung in den Kammern und Korridoren
der Welt. Indem wir das notwendige Wort sprechen,
benennen wir Dinge, und das Benannte wird bekannt--oder verborgen:
Du zensiertest deine früheren Erwähnungen von Husserl.

Wir gebären das Sein durch das Wort,
unsere Stille erstreckt katholische Öden um uns.

Auch uns geht es gut, wir haben viele hervorragende Dichter.
Doch in manchen Momenten möchte ich sagen,
Schöne Scheiße, Martin.
                Wahrheit kann lügen.
Gotteswillen, Spuck es aus!
                Armer Hölderlin, verrückt,
hat das Madigwerden seines Erhabenen vorhergesehen, Kierkegaard
stöhnt angesichts unserer entblößten Epoche, Nietzsche
versuchte, uns wachzurütteln--
                unsere Dichter in Anstalten
und Gefängnissen. Lobotomien, verlorenen Verbindungen.


Translated by Josef Pesch
from the English of Van K. Brock

Ein Gespräch 4 | A Conversation 3
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